Bildung in Informationsumwelten –
das Thema des WissenschaftsCampus Tübingen
Bildung als lebensbegleitender Prozess ist nicht mehr nur an formelle, institutionelle Kontexte geknüpft. Vor allem das Internet bietet mittlerweile eine Fülle von Informationen, auf die Lernende orts- und zeitunabhängig Zugriff haben. Aus der individuellen "Informationsdiät", die ein Individuum für seinen Bildungsprozess zusammen stellt, resultiert eine "Informationsumwelt". Diese kann sich mehr oder weniger stark von den Informationsumwelten anderer Lernender unterscheiden.
Informationsumwelten weisen eine Reihe von charakteristischen Eigenschaften auf, die besonderen Einfluss auf Bildungsprozesse haben:
- eine ungeheure Vielfalt von Informationen,
- neue Möglichkeiten, Informationen darzustellen und aufzubereiten,
- eine soziale Einbettung von Lernprozessen
Diese Kerneigenschaften interagieren mit den verfügbaren Fertigkeiten, die wir als Lernende in unseren Bildungsprozess einbringen. Zentrale Forschungsfragen im WissenschaftsCampus Tübingen betreffen daher das Verständnis dieser Voraussetzungen und Hürden sowie Fragen nach der Gestaltung der Medien, die Bildungsprozesse im formellen und informellen Kontext unterstützen.
Die Forschungsarbeiten des WissenschaftsCampus Tübingen orientieren sich an drei Forschungslinien, die jeweils die identifizierten Kerneigenschaften von Informationsumwelten zum Gegenstand haben.
Informationsvielfalt und Informationsverknüpfung
In dieser Forschungslinie wird untersucht, wie es Lernenden gelingen kann, sich in einer Umwelt aus vielfältigen, womöglich teilweise widersprüchlichen, Informationen zurechtzufinden. Ein Themenkomplex befasst sich mit der Frage, wie sich Lernende mit verschiedenen kognitiven, sozioökonomischen oder fachlichen Hintergründen ihre Informationsumwelt konstruieren, und wie die jeweiligen Nutzungsmuster mit Bildungserfolgen zusammenhängen. Ein zweiter Themenkomplex adressiert den Umgang mit Informationsvielfalt. Dazu zählen Fertigkeiten der Informationsbewertung, Informationsselektion und Informationsintegration. Ein dritter Themenkomplex befasst sich mit der Frage, wie formelle Bildungsinstitutionen auf die veränderte Informations-Infrastruktur angemessen reagieren können.
Informationsaufbereitung und Informationsdarbietung
Diese Forschungslinie untersucht, wie sich die Gestaltung von Informationsressourcen auf bildungs- und wissensbezogene Prozesse auswirkt. Ein Themenkomplex befasst sich mit der Frage, wie sich eine unterhaltsame Aufbereitung von Lernthemen ("Edutainment") auf Akzeptanz und Lernerfolg auswirkt. In einem zweiten Themenkomplex wird die Wirksamkeit von statischen und dynamischen Visualisierungen in verschiedenen informellen Lernkontexten untersucht. Ein dritter Themenkomplex betrachtet die Frage, wie enorme Datenmengen (z.B. von Börsenbewegungen) so aufbereitet werden können, dass sie ein adaptives Verhalten von Nutzern in Echtzeit fördern können.
Informationsaustausch und Informationskonstruktion
Bildungsprozesse sind häufig in kooperative und kollaborative Kontexte eingebettet. In dieser Forschungslinie wird der soziale Charakter von Informationsumwelten thematisiert. Ein Themenkomplex befasst sich mit Communities - sozialen Gemeinschaften, die sich über gemeinsame Interessen definieren. Communities prägen den Umgang mit bildungsrelevanten Themen sowohl im Offline- als auch im Online-Kontext. Der Einfluss von Online-Communities ist dabei bisher noch wenig erforscht. In einem zweiten Themenkomplex fragen die Forscher des WissenschaftsCampus Tübingen, wie sich kognitive und soziale Wirkmechanismen (z.B. kooperatives Lernen, Machtausübung) im Online-Bereich ausgestalten. In einem dritten Themenkomplex wird analysiert, unter welchen technologischen, sozialen und kognitiven Randbedingungen Lernende dazu bewegt werden können, aktiv Inhalte beizutragen und somit beim Aufbau neuer Informationsumwelten mitzuwirken.


